Intelligente Messgeräte Smappee

Um Verbraucher anzuregen, ihren Energieverbrauch zu senken, sind interessantere Messgeräte erforderlich.

Fast jedes europäische Land führt aktuell Initiativen zum Einsatz intelligenter Messgeräte durch – dies ist ein Milliarden-Dollar-Markt. Aber werden diese Initiativen zu mehr Energieeffizienz beitragen? Erste Ergebnisse in bestimmten Märkten zeigen, dass einige Initiativen nicht kosteneffizient sind und in punkto Energieeffizienz keine Verbesserungen bewirken. Was können andere Länder daraus lernen? Möchte man, dass die Verbraucher ihre Gewohnheiten ändern und Energie sparen, dann muss auch Raum für Freude an der Sache sein - und das bedeutet hochwertigen Zugang zu den Energiedaten. 

Die EU verfolgt das Ziel, bis 2020 mindestens 80 % der Stromzähler durch intelligente Messgeräte zu ersetzen. Dadurch sollen die Emissionen in der EU und im gleichen Umfang auch der Stromverbrauch um bis zu 9 % gesenkt werden.

Intelligente Messgeräte sind – noch – nicht rechtlich vorgeschrieben. Derzeit plant die EU, intelligente Messgeräte dort einzusetzen, wo diese Lösung kosteneffizient ist, wenngleich sie 2016 einen Gesetzesvorschlag einbrachte, der Mitgliedstaaten dazu verpflichtet, intelligente Messgeräte bereitzustellen, wenn dies seitens der Verbraucher gefordert wird.

Die europäischen Länder haben die Idee der intelligenten Messgeräte recht begeistert aufgenommen. Allerdings gibt es bisher, auch wenn intelligente Messgeräte Energieeinsparungen von bis zu 20 % versprechen und häufig berichtet wird, wie clevere Energiemonitore ihren Nutzern zu hohen Energieeinsparungen verhelfen, noch keine Berichte zu echten Erfolgsgeschichten im Rahmen öffentlicher Projekte mit intelligenten Messgeräten.

Nehmen wir die Niederlande als Beispiel, einen der Pioniere im Bereich der intelligenten Messgeräte. Die Niederlande hofften, dass der Energieverbrauch dank intelligenter Messgeräte um 3,5 % sinken würde, was Kosteneinsparungen von rund 4,1 Milliarden Euro bewirkt hätte. Die Einführungskosten des Projekts wurden mit 3,3 Milliarden Euro veranschlagt, wodurch sich Kosteneinsparungen von fast einer Milliarde Euro ergeben hätten.

Angesichts dessen, dass derzeit ein Viertel der niederländischen Bevölkerung ein intelligentes Messgerät verwendet, ist klar, dass die Initiative nicht die geplanten Einsparungen erzielen wird. Tatsächlich nämlich sparen die Verbraucher knapp 1 % ihrer Energierechnung ein.

Dies hat bedauerlicherweise den Folgeeffekt, dass die gesamte Initiative für intelligente Messgeräte deswegen als unrentabel gilt: Die Kosteneinsparungen werden sich auf nur rund 3,1 Milliarden Euro belaufen und es bleibt ein Defizit von 200 Millionen Euro. Oder, wie es ein Sprecher des niederländischen Planungsbüros formulierte: „Es sieht so aus, als würde dies doch einige Kosten verursachen.“ Genauer gesagt wird es die Verbraucher Geld kosten, weil diese 200 Millionen Euro auf die Stromrechnungen der Verbraucher umgelegt werden.

In Großbritannien werden die Verbraucher insgesamt Kosten von 11 Milliarden Pfund für die Installation von intelligenten Messgeräten aufbringen müssen, das sind 200 Pfund pro Messgerät (400 Pfund pro Haushalt, wenn Gas und Strom vorhanden sind). In Großbritannien wurden bereits 3 Millionen intelligente Messgeräte installiert, und bis 2020 sollen es 53 Millionen sein.

Aber auch hier werden nicht die versprochenen Energieeinsparungen erzielt. Während in Berichten Energieeinsparungen von bis zu 20 % prognostiziert werden, sparen die Verbraucher in der Realität nur 2-3 Prozent ihrer Energierechnung ein. Das sind jährlich 33 Pfund.

Diesbezüglich gibt es nur in Deutschland Fortschritte zu beobachten, aber im Großen und Ganzen erbringen intelligente Messgeräte keine beeindruckenden Ergebnisse.

Das wird verständlich, wenn man sich die Umsetzung der Initiativen für intelligente Messgeräte ansieht. Betrachtet man die Begeisterung, mit der die Mitgliedstaaten den Einsatz intelligenter Messgeräte vorantreiben, zeigt sich, dass ihre Motivation nicht in erster Linie mit Energieeinsparungen und Kosteneinsparungen für die Verbraucher zusammenhängt. Vielmehr wollen die Regierungen intelligente Messgeräte einsetzen, weil diese für die Weiterentwicklung hin zu intelligenten Übertragungs- und Verteilnetzen notwendig sind. Sie wünschen sich kostengünstige Lösungen, die schnell und reibungslos auf den Markt gebracht werden können.

Energieeinsparungen seitens der Verbraucher sind nicht das, was bei der Entwicklung dieser Geräte im Vordergrund steht. Die Verbraucher, die sich mit jährlich steigenden Stromrechnungen konfrontiert sehen, sind an Energieeinsparungen interessiert, aber sie können auf die Gestaltung der Geräte keinen Einfluss nehmen. Sie wollen das Richtige tun, aber das Gerät, das sie bekommen, entspricht nicht dem, was versprochen wurde.

Oder wie es einer der frühen Käufer formulierte: „Ich dachte, dass ich das Richtige tue. Ich habe schon früh ein intelligentes Messgerät gekauft. Ich wusste aber im Grunde nichts davon, dass jene, die bereits früh ein solches Gerät kaufen, (...) Messgeräte mit deutlich geringerem Funktionsumfang erhielten, als jene, die bereit waren, noch zu warten.“

Mit anderen Worten - die Motivation der Betreiber von Stromnetzen entspricht nicht immer den Zielen der Verbraucher.

Die Frage ist, warum solche intelligenten Messgeräte den Erwartungen nicht gerecht werden. Wirft man einen genaueren Blick auf die Sachlage, wird klar, dass sowohl die Niederlande als auch Großbritannien ähnliche Fehler gemacht haben: Sie denken während des Entwicklungsverfahrens nicht an den Verbraucher, wodurch dieser wiederum das Interesse an Energieeinsparungen verliert.

Wie bringt man also Verbraucher dazu, Energie zu sparen? Forschungen haben deutlich ergeben, dass Feedback-Schleifen die Antwort hierauf sind. Echtzeit-Einblicke sind die größte Triebkraft für Energieeinsparungen. Wie der niederländische ‚Rijksdienst voor Ondernemend Nederland‘ 2014 betonte, ändern Verbraucher ihre Gewohnheiten nicht, wenn sie nur alle zwei Monate Rückmeldungen zu ihrem Energieverbrauch erhalten, wie es beim niederländischen Pilotprojekt der Fall war.

So schlägt der Rijksdienst vor, dass jedes nationale Smart-Metering-Projekt darauf abzielen sollte, gleiche Ausgangsbedingungen für Drittanwendungen zu schaffen, die dem Verbraucher in der von ihm gewünschten Form Rückmeldungen bietet. Ältere Verbraucher bevorzugen möglicherweise einfache Echtzeit-Anzeigen. Technisch versierte Verbraucher wiederum finden eher mobile Apps interessanter, mithilfe derer sie ihren Energieverbrauch genau analysieren können, oder auch spielerisch gestaltete Einblicke, die ihnen bei der Senkung des Energieverbrauchs helfen.

Spaß ist ein wesentlicher Faktor für die Einbindung der Verbraucher. Das beschreibt auch Tom Chatfield in seinem Buch Fun INC: „Menschen „spielen“ bereits seit Jahrzehnten, ja sogar seit Jahrhunderten mit dem Ziel, dabei Vorteile zu erlangen: Verpackt man einen bestimmten Kontext in eine unterhaltsame, sich lohnende Aktivität, wird dieser Kontext attraktiver.“

Nicht ohne Grund verleiht beispielsweise die App Waze Punkte, Abzeichen und „Dankeschöns“, wenn man anderen Fahrern hilft. Ohne eine gewisse Portion Spaß hätten wir das Gefühl, dass wir für Waze kostenlose Arbeit verrichten, wenn wir andere Fahrer auf ein auf dem Seitenstreifen stehendes Fahrzeug aufmerksam machen.

Dasselbe gilt für Energie. Wenn wir möchten, dass Verbraucher ihren Stromverbrauch senken, müssen wir das zu einer spannenden Sache machen. Und Regierungen und Netzbetreiber sollten so viel Einsicht haben, sich einzugestehen, dass sie einfach nicht über ausreichende Erfahrung darin verfügen, ihre Themen in Verbindung mit Spaß anzubieten - schließlich ist das auch nicht ihre Aufgabe. Wenn wir möchten, dass intelligente Messgeräte halten, was sie versprechen, müssen die Regierungen intelligente Messgeräte für Drittentwickler zugänglich machen und ihnen auch den Zugriff auf die Daten bieten.

Europäische Länder freunden sich allmählich mit der Idee offener Daten auf Makro-Ebene an - und gewähren Unternehmen Zugriff auf öffentliche Daten als Ausgangsbasis für ihre Entwicklungen. Bei privaten Daten ist jedoch wieder die Tendenz zu beobachten, dass hochfrequente Echtzeitdaten in einer Blackbox eingesperrt bleiben, die nur für den Netzbetreiber und den Energieanbieter zugänglich ist.

Die EU scheint verstanden zu haben, dass sie ihren Mitgliedstaaten diese Einsicht vermitteln muss. Es wird ausdrücklich festgestellt, dass die Mitgliedstaaten die Ziele der Energieeffizienz und die Vorteile für die Endkunden „vollständig“ berücksichtigen sollen. Zudem müssten „die Messsysteme den Endkunden Informationen zur tatsächlichen Nutzungszeit bieten“.

Bestehende Hindernisse sind umso unnötiger, wenn man daran denkt, dass die Lösung spottbillig ist. Sie besteht aus einem einfachen P1-Port, über den Dritte Zugriff auf die Echtzeit-Hochfrequenzmessungen des Messgeräts erhalten (4000 bis 8000 Messungen pro Sekunden). Umso eigenartiger ist es, dass wir Konstruktionen von intelligenten Messgeräten erleben, die eben damit nicht dienen können und dem Verbraucher stattdessen eine unternehmenseigene Anzeige bieten, die nur alle 15 Minuten eine Messung bietet.

Verbraucher haben Besseres verdient.