Stefan Grosjean, CEO Smappee, über seinen Begegnung mit Jérôme Michaud-Larivière, Gründer von Arbre à vent

Jules Vernes berühmte Aussage war, dass „alles Große in der Welt das Ergebnis einer ungeheuerlichen Hoffnung ist.“

Ich erinnerte mich an dieses Zitat, als ich den ersten Arbre à Vent sah, ein schönes und poetisches Design, das definitiv ungeheuerlich ist in seiner Ambition, wie Gründer Jérôme Michaud-Larivière unumwunden zugibt. Arbre à Vent ist eine Windkraftanlage in Form eines Baumes, die speziell dazu gebaut wurde, die Brise innerhalb der Stadt einzufangen.

„Kennen Sie das, wenn in der Stadt kein Wind zu spüren ist, aber Sie können immer noch die Blätter in den Bäumen rascheln hören? Dieses Paradox wollte ich lösen - wie kann es sein, dass wir diese leichte Brise, die uns ständig umgibt, nicht nutzen können?

„Dies ist Teil eines größeren Problems. Unsere Zivilisationsgesellschaft verbraucht ca. 17 Terawatt an Energie pro Jahr. Wind generiert weltweit gesehen rund 800 Terawatt jährlich. Diese Energie könnte potenziell genutzt werden - mehr als 20 Mal so viel Energie, wie wir benötigen. Somit besteht eine enorme Diskrepanz zwischen der verfügbaren erneuerbaren Energie und der Art, wie wir Energie erzeugen und verbrauchen. Diese Tatsache sollte uns dazu motivieren, andere Wege der Nutzung der uns umgebenden Energie zu finden.“

Daten belegen, dass Michaud-Larivière nicht ganz Unrecht hat. In seinem Herkunftsland Frankreich zum Beispiel, werden nur rund 3,1 Prozent der Energie in Windenergieparks erzeugt.

Dies brachte Michaud-Larivière zu der Frage, was erforderlich wäre, um diese turbulenten Brisen in der Stadt einzufangen und das Ganze in eine Form zu bringen, die Verbraucher, Architekten und Politiker für die Aussicht, Strom in Verbrauchernähe zu erzeugen, begeistern würde.

Vom ersten Anblick eines Arbre à Vent an hielt ich ihn für eine ausgezeichnete Idee. Verbraucher können keine großen Windkraftanlagen in ihren Gärten bauen, aber mit dem Arbre à Vent können sie einen Windbaum ganz in der Nähe ihrer Wohnung aufstellen. Dies entspricht unserer Vision bei Smappee, Verbraucher in die Lage zu versetzen, Verantwortung für die Revolution der erneuerbaren Energien zu übernehmen.

„Wir arbeiteten zunächst an einer Anlage in Form eines Blattes, die im Vergleich zu einer größeren Windkraftanlage bei etwa der Hälfte an Windgeschwindigkeit mit der Stromerzeugung beginnen sollte. Die Aeroleafs, wie wir sie nennen, wurden entwickelt, um Mikroturbulenzen aufzufangen. Sie beginnen bei Windgeschwindigkeiten von rund 2 m/s mit der Stromerzeugung, im Gegensatz zu 4 m/s bei traditionellen Verbraucher-Windkraftanlagen. Sie benötigen außerdem keine konstante Windgeschwindigkeit oder -richtung, was sie für den Einsatz in der Stadt besonders geeignet macht.“

Die aktuelle Generation des Arbre à Vent erzeugt rund 2500 KWH pro Jahr, zirka ein Drittel des durchschnittlichen Jahresverbrauchs eines französischen Haushalts.

„Bisher ist der Ertrag noch nicht übermäßig groß. Aber er wird vor unserer Haustür erzeugt und die Anlage erzeugt sofort Strom, ohne Extrakosten für Installation, die manchmal vergessen werden und die von beträchtlicher Höhe sein können.“

Zudem vermeiden Sie, wenn Sie eine Windkraftanlage vor Ihrer Haustür oder in Ihrem Garten installieren, den Energieverlust, der durch den Energietransport entsteht. Es ist ein schmutziges Geheimnis, dass Energienetze 5 bis 10 Prozent der erzeugten Energie auf dem Weg vom Kraftwerk bis zu Ihrer Steckdose verlieren.

Die Haupthindernisse für den Arbre à Vent bestehen heute in der Leistungssteigerung und Kostensenkung. Michaud-Larivière bestätigt, dass die aktuelle Generation des Arbre à Vent in ebenso starkem Maße ein Bildungsprojekt ist, wie sie eine wirtschaftliche Art der Energieerzeugung darstellt.

„Unter gewissen Bedingungen kann der Arbre viel wirtschaftlicher Energie erzeugen als andere Systeme. Ehrlich gesagt ist dies unter den meisten Bedingungen heute nicht der Fall. Aber es ist zu bedenken, dass wir heute noch keine Größenvorteile nutzen können und dass die Leistungsfähigkeit der Aeroleafs noch ausbaufähig ist, und zwar von 23 auf 28 Prozent.“

Nach seiner Einführung im Rahmen der Klimakonferenz in Paris im letzten Jahr wurden ungefähr 30 Arbres à Vent in Europa verkauft - 8 davon befinden sich derzeit in der Schweiz, in Frankreich und in Belgien.

„Bei unseren Kunden handelt es sich meist um Personen, die sich für Nachhaltigkeit einsetzen - Architekten, Designer, Produktentwickler, aber auch Städte, die lokale, nicht-invasive Energieerzeugung in den Vordergrund stellen wollen. Unsere Kunden wissen, dass der Baum mehr Geld kostet als er an Gewinnen einbringen wird - aber sie gehören zu der Art von Kunden, die für die Energiewende Zeugnis ablegen wollen, um Menschen aufzuklären. Als Planet können wir den Wandel nicht abwarten. Wir müssen ihn verwirklichen.

„Sobald wir mit der Massenproduktion beginnen, glaube ich, dass eine Amortisierungszeit von acht Jahren ohne Subventionen möglich ist. Wir arbeiten daran - wir denken, wir könnten dies erreichen, indem wir die Bäume beispielsweise mit Solarzellen ausstatten. Mein ultimativer Traum ist es, den Arbre à Vent in menschlicher Größe zu bauen - in einer Größe, die es ermöglichen würde, ihn in Geschäften wie Home Depot und Leroy Merlin zu verkaufen, wo Sie ihn einfach kaufen und neben Ihrer Haustür pflanzen könnten.“

Mehr über den Arbre à Vent: http://www.newwind.fr/en/

Stefan Grosjean (@stfngrsjn) ist Befürworter von erneuerbarer Energie und Energieeffizienz sowie Gründer und CEO von Smappee (www.smappee.com), dem weltweit smartesten Home Energy Monitor