"Durch Erfindungen und Innovationen bewahre ich mir mein verspieltes, neugieriges Wesen" - Stefan Grosjean, Gründer/CEO Smappee

„Man kann einzelne Punkte nicht zu Zusammenhängen verbinden, wenn man sie vor sich hat. Die Verbindung ergibt sich erst im Nachhinein. Man muss also darauf vertrauen, dass sich die Punkte irgendwann einmal zusammenfügen."

Angesichts dessen, dass die berühmte Rede, die Steve Jobs im Jahr 2005 in Stanford hielt, auf YouTube schon von 25 Millionen Nutzern aufgerufen wurde, bin ich wohl nicht der Einzige, der von davon beeindruckt war und sich inspirieren ließ. Als ich meine eigenen Zusammenhänge betrachtete, fiel mir auf, dass Smappee nicht 2012 (im Gründungsjahr des Unternehmens) das Licht der Welt erblickte, sondern schon viele Jahre zuvor. Denn schon als ich gerade einmal 12 war und U-Boote, Motoren und Roboter erfinden wollte, wurden Grundlagen für den „Smappee“ gelegt. 

Meine Helden waren immer Menschen wie Jules Verne und Nikola Tesla – sie waren zugleich Träumer und Visionäre. Jules Verne sagte 100 Jahre vor dem tatsächlichen Ereignis die Mondlandung voraus, und Nikola Tesla arbeitete schon vor einem Jahrhundert an Drahtlostechnologien.

Als ich 12 Jahre alt war, versuchte ich, in meinem Schlafzimmer ein U-Boot zu bauen. Ich habe heute noch die Pläne. Der Motor sollte nur mit Wasser betrieben werden, und nur für den Kickstart wäre Energie notwendig. Sobald der Antrieb liefe, wäre keine zusätzliche Energie mehr erforderlich. „Das ist der Motor der Zukunft, der Motor der Energiesparer”, habe ich unter die Zeichnungen geschrieben.

Steve Jobs sagte, dass man Zusammenhänge erstellen muss, um herauszufinden, was man liebt. Um verspielt und neugierig zu bleiben, wie es das Apple-Genie beschrieb. Nach all diesen Jahren gibt es immer noch nichts Besseres für mich, als neue Dinge zu erfinden. Dadurch bleibe ich verspielt und neugierig. Die Dinge geschehen nicht einfach von selbst – wir müssen dafür sorgen, dass sie geschehen.

Gleichzeitig aber lernte ich sehr früh, mir Gedanken darüber zu machen, was andere brauchen. Obwohl es sich als äußerst wirksam erwies, meiner jüngeren Schwester einen Stromschlag zu versetzen, wenn sie bei ihren Matheaufgaben einen Fehler machte, ging ich schließlich dazu über, meine Leidenschaft für Computer und Elektronik sinnvoller und gewinnbringender einzusetzen. Mit 16 Jahren verwendete ich das beim ersten Ferienjob verdiente Geld zur Anschaffung eines Computers. Anstatt mit meinen Freunden Fußball zu spielen, hatte ich wenig später schon für ein lokales Steuerberatungsunternehmen eine Software entwickelt und die Mitarbeiter in deren Nutzung eingewiesen. Ein Ein-Mann-Helpdesk mit einem 4kB-Computer.

Steve Jobs entwickelte iPhones und iPads nicht nur, weil er etwas entwickeln wollte, sondern weil er genau bei dem ansetzte, was die Kunden benötigten. 

Was wäre, wenn ... ?

Der Energiemonitor Smappee ist aus einem ähnlichen Bedürfnis heraus entstanden. EnergyICT, das Unternehmen, das ich 1991 gründete und schließlich zwanzig Jahre später an den deutsch-amerikanischen Messgerätehersteller Elster verkaufte, führte für Industrie-Großunternehmen Energiemessungen durch. Außerdem verfolgten wir für Tesco, die größte Supermarktkette in Großbritannien, die Daten von 10.000 Messgeräten, um die größten Energiefresser zu ermitteln, und konnten so den Energieverbrauch um 20 % verringern. Bedenkt man, dass Tesco 1,5 % des gesamten Energieverbrauchs in Großbritannien stellte, so ergaben sich für das ganze Land Einsparungen um 0,75 %. Wir arbeiteten auch mit Walmart zusammen. Der amerikanische Supermarktgigant verbrauchte so viel Energie wie halb Belgien.

Das hat mich nachdenklich gemacht. Ich habe schon immer fest daran geglaubt, dass eine Energiewende möglich ist, die zu einer Zukunft mit zu 100 % erneuerbaren Energien führt. Wie wäre es, wenn wir den Verbraucher zum Protagonisten der Energiewende machten? Was wäre, wenn wir ihm die Möglichkeit geben könnten, seinen Stromverbrauch selbst zu steuern? Smappee entstand mit dem Plan Wohnungseigentümern und Hausbesitzern Unabhängigkeit und Kontrolle über ihren Energieverbrauch und ihre Stromerzeugung zu verschaffen. Durch Echtzeitmessungen zu den wichtigsten einzelnen Geräten könnten sie sich der Energiefresser entledigen, den Stromverbrauch ohne Komforteinbußen senken, die selbst produzierte Solar- oder Windenergie bestmöglich nutzen und ihr Zuhause letztlich zu dezentralen Energiezentren machen.

Das war es, was mir vorschwebte. Als moderne Technologie die Möglichkeit bot, eine Lösung zu entwickeln, die erschwinglich, einfach zu nutzen und elegant designt werden konnte, machten wir uns daran. Ich wollte unbedingt der erste auf dem Markt sein. Denn letztlich übertrifft das Original immer die Kopie. Smappee bietet den Verbrauchern durch Echtzeitmessungen, die ihnen zeigen, wo der Strom verbraucht wird, Einblicke in ihre Energienutzung. Unser Gerät und die damit verbundene App ermöglichen es den Verbrauchern, jede Menge Energie und dadurch viel Geld einzusparen, ohne dabei auf Komfort verzichten zu müssen. Smappee macht den Verbraucher zur Speerspitze der Wende hin zu nachhaltiger Energie und belohnt ihn für seine Vorreiterrolle.

David gegen Goliath

Eine der wichtigsten Triebkräfte hinter der Gründung von Smappee war die Frustration über die Funktionsweise des Energiemarktes und die Art, wie Energiekonzerne die Verbraucher behandeln. Heute sind die Energierechnungen so kompliziert, dass kein Verbraucher versteht, was er eigentlich verbraucht, und wofür er eigentlich bezahlt. Smappee gibt dem Verbraucher die nötigen Mittel an die Hand, um sich in diesem Dickicht Klarheit zu verschaffen und seinen Verbrauch im Griff zu haben. Es ist ein wenig wie David gegen Goliath. Möglicherweise hat es etwas mit meinem westflämischen Hintergrund zu tun. Wir neigen dazu, sehr starrköpfig zu sein und treten den Großen gerne ab und zu auf die Zehen.

Das ist auch der Grund, warum Smappee seine Geschäfte von Kortrijk aus betreibt. Sag niemals nie, aber warum soll man ans andere Ende der Welt ziehen, wenn sich alles, was wir bisher brauchten, gleich um die Ecke befindet. Hier ist meine Familie, hier sind jede Menge talentierter Menschen, und wir können auf ein gesamtes Netzwerk von kleinen und mittelständischen Unternehmen setzen, um alle unsere Bedürfnisse zu decken. Design, Verpackung … das alles beziehen wir von lokalen Unternehmen. Klein, aber unglaublich dynamisch und flexibel. Natürlich ist Kortrijk nicht Silicon Valley, genauso wenig wie Westflandern Kalifornien ist. Aber zusammen mit all den anderen Unternehmern hier sind wir praktisch so gut wie Apple. 

 
Stefan Grosjean, Gründer/CEO Smappee