Skip to main content
Angebot anfordern

Solarpflicht für Parkplätze: Wie lässt sich der Solarstrom sinnvoll nutzen?

SMAPPEE Blog Solar Car Parks Hero image

In immer mehr Bundesländern müssen neue Parkplätze mit Photovoltaik überdacht werden. Ab 2027 kommt eine bundesweite Regel hinzu. Für Betreiber stellen sich damit Fragen zu Kosten, Statik und Fristen. Genauso wichtig ist aber, wie sich der erzeugte Strom später nutzen lässt.

Ein Solarcarport erzeugt Strom direkt dort, wo Fahrzeuge tagsüber parken. Wird die Anlage von Anfang an mit dem Energiebedarf des Standorts geplant, kann der Solarstrom Gebäude versorgen und Elektrofahrzeuge laden.

Solarpflicht: Welche Regeln gelten in den Bundesländern?

Eine einheitliche Regelung gibt es bislang nicht. Die Bundesländer legen eigene Schwellenwerte und Anforderungen fest. Drei Beispiele im Überblick:

Bundesland

Ab wann betroffen

Anforderung

Baden-Württemberg (§ 23 KlimaG BW)

Neue offene Parkplätze mit mehr als 35 Stellplätzen, seit 2022

PV auf mindestens 60 % der geeigneten Fläche, Fahrgassen ausgenommen

Nordrhein-Westfalen (§ 48 Abs. 1a BauO NRW)

Neue Parkplätze mit mehr als 35 notwendigen Stellplätzen für Nichtwohngebäude

PV auf mindestens 30 % der geeigneten Fläche, alternativ ein Laubbaum je 5 Stellplätze

Niedersachsen (§ 32a NBauO)

Mehr als 25 Stellplätze, seit 1. Januar 2025; auch bei Erneuerung von mindestens der Hälfte eines bestehenden Parkplatzes

PV über der Stellplatzfläche

 

Auch das Saarland, Rheinland-Pfalz, Hessen, Hamburg und Schleswig-Holstein haben eigene Vorgaben. Die Entwicklung verläuft allerdings nicht überall gleich: Brandenburg hat im Juni 2026 eine neue Bauordnung beschlossen, mit der die dortige Solarpflicht ab 2027 wieder entfällt.

Zusätzlich sind bundesweite Vorgaben geplant. Der im Dokument behandelte Entwurf des Gebäudemodernisierungsgesetzes setzt die europäische Gebäuderichtlinie um. Vorgesehen sind Solarregeln ab 2027, die ab 2030 auch neue überdachte Parkplätze erfassen, sofern sie direkt an Gebäude angrenzen. Strengere Landesvorgaben sollen bestehen bleiben.

Quellen: Umweltministerium Baden-Württemberg, Fragen und Antworten zur Photovoltaikpflicht; NRW.Energy4Climate, Parkplatz-PV; VORIS, § 32a NBauO, Solarenergieanlagen zur Stromerzeugung auf Dächern; Öko-Zentrum NRW, Übersicht zur Solarpflicht für Gebäude; Nordkurier, Bau-Booster für Brandenburg: Landtag stellt Weichen; pv magazine, Gebäudemodernisierungsgesetz sieht bundesweite Solarpflicht vor; Öko-Zentrum NRW, Update zum GModG

SMAPPEE Blog Solar Car Parks ICO Terminals

Warum sich der Eigenverbrauch von Solarstrom lohnt

Solarcarports erzeugen besonders viel Strom um die Mittagszeit. Dann speisen auch viele andere Photovoltaikanlagen ein, wodurch die Strompreise sinken können. 2025 gab es in Deutschland am Day-Ahead-Markt 573 Stunden mit negativen Strompreisen, nach 457 Stunden im Jahr 2024.

Seit dem Solarspitzengesetz vom Februar 2025 erhalten neue Anlagen in Zeiten negativer Preise zudem keine Einspeisevergütung. Solarstrom direkt am Standort zu nutzen, kann sich deshalb besonders lohnen: Jede selbst verbrauchte Kilowattstunde ersetzt Strom aus dem Netz, einschließlich Netzentgelten, Umlagen und Steuern. Für die Wirtschaftlichkeit eines Solarcarports spielt der Eigenverbrauch damit eine wichtige Rolle.

Quellen: Bundesnetzagentur, Bundesnetzagentur veröffentlicht Daten zum Strommarkt 2025; Verbraucherzentrale Niedersachsen, Kein Geld mehr bei Stromüberschuss: Wie Photovoltaik trotzdem attraktiv bleibt

Hitzeflaute: Wenn Hitze den Strombedarf erhöht

Bei einer Hitzeflaute treffen hohe Temperaturen auf wenig Wind. Während Windkraftanlagen weniger Strom liefern, steigt vielerorts der Bedarf für Klimatisierung und Kühlung. Das kann die Strompreise besonders in den Abendstunden beeinflussen, wenn auch die Solarproduktion zurückgeht.

Für Betreiber von Solarcarports lohnt es sich deshalb, flexible Verbraucher wie Elektrofahrzeuge möglichst während der Solarstunden zu laden. Ein EMS kann Ladezeiten und Ladeleistung an die verfügbare Energie und den Bedarf des Standorts anpassen. So lässt sich mehr eigener Solarstrom nutzen, ohne die Anschlussleistung zu überschreiten.

Elektroautos laden, während die Sonne scheint

Viele Fahrzeuge stehen genau dann auf dem Parkplatz, wenn die Solaranlage Strom erzeugt. Beschäftigte parken häufig vom Morgen bis zum späten Nachmittag. Im Einzelhandel sind die Aufenthalte kürzer, doch auch hier werden Parkplätze tagsüber genutzt. Das macht das Laden von Elektroautos zu einer sinnvollen Verwendung für den Solarstrom.

Auch bei der Planung lohnt es sich, Solarcarports und Ladeinfrastruktur gemeinsam zu betrachten. Seit dem 1. Januar 2025 müssen bestehende Nichtwohngebäude mit mehr als 20 Stellplätzen mindestens einen Ladepunkt haben (§ 10 GEIG). Wer Leerrohre, Kabel und Anschlussleistung bereits beim Bau des Carports berücksichtigt, vermeidet spätere Arbeiten am Parkplatz.

Die Ladeinfrastruktur wird allerdings nicht immer den gesamten Solarstrom aufnehmen, etwa am Wochenende oder an Standorten mit wenigen Besuchern. Auch Beleuchtung, Klimatisierung und Kühlung im Gebäude können die Energie nutzen. Entscheidend ist, die Erzeugung mit dem tatsächlichen Verbrauch abzustimmen.

Quellen: electrive, Jahreswechsel: Ladepunkte auch bei Bestands-Gewerbeimmobilien Pflicht

SMAPPEE Blog Solar Car Parks ICO Terminals Charging Car

Warum Solaranlagen und Ladepunkte intelligent gesteuert werden müssen

Solaranlagen und Ladepunkte am selben Standort bedeuten nicht automatisch, dass Elektroautos mit Solarstrom geladen werden. Ohne Abstimmung beginnt eine Ladestation zu laden, sobald ein Fahrzeug angeschlossen wird, auch wenn die Sonne kaum scheint. Laden mehrere Fahrzeuge gleichzeitig, kann die verfügbare Anschlussleistung schnell an ihre Grenzen stoßen. Aufgrund von Netzengpässen lässt sich diese Kapazität häufig nicht ohne Weiteres erweitern.

Ein Energiemanagementsystem (EMS) überwacht deshalb drei Werte in Echtzeit: die Solarstromerzeugung, den Energieverbrauch des Gebäudes und den Ladebedarf der Fahrzeuge. So kann die Ladeleistung bei einem Solarüberschuss erhöht und bei steigendem Energiebedarf des Gebäudes reduziert werden. Die verfügbare Anschlussleistung wird dabei jederzeit eingehalten.

Batteriespeicher: Solarstrom für später nutzen

Auch mit intelligentem Laden wird nicht der gesamte Solarstrom eines Carports direkt verbraucht. Ein Batteriespeicher (BESS) kann überschüssige Energie speichern, um Fahrzeuge am Abend zu laden oder das Gebäude bei höheren Strompreisen zu versorgen.

Wie sinnvoll das sein kann, zeigte die Hitzewelle 2025: In Deutschland halfen rund 14 GW Batteriespeicher zusammen mit Pumpspeicherkraftwerken, Solarstrom vom Mittag in die Abendstunden zu verschieben.

Seit dem Solarspitzengesetz erhalten neue Anlagen bei negativen Strompreisen zudem keine Einspeisevergütung. Die Speicherung kann daher wirtschaftlich interessanter sein als die Einspeisung.

Ein Batteriespeicher hilft auch, den Netzanschluss besser zu nutzen. Laden mehrere Fahrzeuge gleichzeitig, stellt er zusätzliche Leistung bereit und kann so Lastspitzen sowie einen kostspieligen Netzausbau vermeiden.

In Kombination mit einer intelligenten Steuerung wird die Energie bedarfsgerecht zwischen Gebäude, Ladepunkten und Speicher verteilt.

Nicht jeder Parkplatz benötigt einen Batteriespeicher. Entscheidend sind der Solarüberschuss, die Ladezeiten und die verfügbare Netzkapazität. Eine Analyse des Energieverbrauchs zeigt, ob sich ein Speicher lohnt und welche Größe sinnvoll ist.

Quelle: Ember, Heat and power: impacts of the 2025 heatwave in Europe

Vier Fragen vor der Investition

  1. Wer parkt unter dem Carport, und wann? 

    Parkzeiten und Standdauer zeigen, wie viel Solarstrom für das Laden genutzt werden kann.

  2. Welche weiteren Verbraucher können Solarstrom nutzen? 

    Gebäude, Beleuchtung und Kühlung erhöhen den Eigenverbrauch während des Tages.

  3. Ist die Ladeinfrastruktur für künftigen Bedarf vorbereitet? 

    Leerrohre, Kabelquerschnitte und Leistungsreserven lassen sich beim Bau am einfachsten einplanen.

  4. Wie werden Solarerzeugung, Gebäude und Ladepunkte gemeinsam gesteuert? 

    Messung und Steuerung helfen, den Strom vor Ort zu nutzen, statt ihn zu ungünstigen Zeiten einzuspeisen.

Häufig gestellte Fragen

Gibt es eine bundesweite Solarpflicht für Parkplätze?

Bisher regeln die Länder die Pflicht selbst. Das Gebäudemodernisierungsgesetz führt ab 2027 bundesweite Solarregeln ein; ab 2030 gelten sie auch für neue überdachte Parkplätze, die direkt an Gebäude angrenzen. Strengere Landesregeln gelten weiter.

Ab wie vielen Stellplätzen gilt die Solarpflicht?

Das hängt vom Bundesland ab: in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen ab mehr als 35 Stellplätzen, in Niedersachsen ab mehr als 25 Stellplätzen.

Gilt die Solarpflicht auch für bestehende Parkplätze?

In den meisten Ländern nur für neue Parkplätze. Niedersachsen erfasst auch die Erneuerung von mindestens der Hälfte eines bestehenden Parkplatzes.

Kann ein Solarcarport Ladepunkte versorgen?

Ja. Tagsüber geparkte Elektrofahrzeuge können Solarstrom direkt vor Ort nutzen. Ein Energiemanagementsystem stimmt die Ladeleistung in Echtzeit auf Solarerzeugung und Standortverbrauch ab, ohne die verfügbare Anschlussleistung zu überschreiten.

Braucht ein Solarcarport einen Batteriespeicher? 

Nicht immer. Ein Speicher lohnt sich vor allem, wenn sonst viel Solarstrom eingespeist würde, wenn überwiegend abends geladen wird oder wenn der Netzanschluss knapp ist. Er braucht ein Energiemanagementsystem, das entscheidet, wann gespeichert und wann entladen wird.