Länger einkaufen dank E-Laden: So erhöhen Ladestationen die Verweildauer im Handel
Immer mehr Kunden kommen mit einem Elektroauto zum Einkaufen. Im September 2026 war in Deutschland bereits mehr als jeder dritte neu zugelassene Pkw ein reines Elektroauto. Für Händler eröffnet sich damit eine interessante Chance: Wer während des Einkaufs laden kann, bleibt oft länger und kommt häufiger wieder. Im Folgenden erfahren Sie, was die Zahlen zeigen und wie Sie Ladeinfrastruktur so einsetzen, dass sie sich tatsächlich auszahlt.
Was ist die Verweildauer und warum ist sie so wichtig?
Die Verweildauer beschreibt die Zeit, die ein Kunde in Ihrem Markt oder an Ihrem Standort verbringt. Je länger er bleibt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass er stöbert, noch etwas zusätzlich mitnimmt oder einen Kaffee trinkt. Aus diesem Grund investieren Händler seit Jahren in Cafés, Sitzbereiche und Spielecken für Kinder.
Dass ein längerer Aufenthalt auch zu höheren Ausgaben führt, zeigt eine Untersuchung bei einer deutschen Supermarktkette. Kunden, die einen smarten Einkaufswagen nutzten, blieben im Schnitt 23% länger im Markt und gaben 32% mehr aus.¹ Die Studie befasste sich zwar nicht mit dem Laden von Elektroautos, das zugrunde liegende Prinzip ist jedoch dasselbe: Wer einen Grund hat zu bleiben, kauft in der Regel mehr.
Wie E-Laden den Einkauf verlängert
Eine Ladestation liefert Ihren Kunden genau diesen Grund. Wer sein Fahrzeug anschließt, fährt erst dann weiter, wenn der Akku ausreichend geladen ist. Der Einkauf wird dadurch nicht abgekürzt, sondern an den Ladevorgang angepasst.
Dieser Effekt zeigt sich auch in den Zahlen. Laut einer Befragung von EHI und UScale würden 59% der E-Auto-Fahrer bei einem Händler mit Lademöglichkeit vermutlich länger bleiben.² Das EHI Retail Institute kommt daher zu dem Schluss, dass Laden beim Einkauf die Verweildauer und häufig auch den Umsatz steigern kann.
Quellen: ¹ Bayes Business School, City St George's, University of London, AI trolley users rack up higher basket values and spend longer in store; ² EHI Retail Institute, Laden beim Handel: Shoppen und Strom tanken (mit UScale)
Die wichtigsten Zahlen auf einen Blick
Wer die Zahlen nebeneinanderlegt, erkennt schnell, dass die Nachfrage nach Lademöglichkeiten im Handel längst vorhanden ist.
Kennzahl | Was sie für Ihren Standort bedeutet |
|---|---|
34,5% der Pkw-Neuzulassungen in Deutschland waren im September 2026 reine Elektroautos¹ | Ein immer größerer Teil Ihrer Kunden fährt elektrisch |
In der EU lag der Anteil im ersten Halbjahr 2026 bei 20,7%, nach 15,6% im Vorjahr² | Der Umstieg auf Elektromobilität setzt sich in ganz Europa fort |
30% der E-Auto-Fahrer laden bereits auf Kundenparkplätzen³ | Der Handelsparkplatz ist schon heute Teil der Laderoutine |
59% der E-Auto-Fahrer würden bei einem Händler mit Ladestation vermutlich länger bleiben³ | Laden wirkt sich direkt auf die Verweildauer aus |
Rund 15% der öffentlichen Ladepunkte in Deutschland (etwa 24.000) befinden sich auf Handelsparkplätzen⁴ | Der Handel ist bereits ein wichtiger Ladeort |
35% der Parkplätze in Europa liegen an Handels-, Supermarkt- und Freizeitstandorten⁵ | Handelsparkplätze sind der naheliegende Ort für das Laden am Ziel |
Quellen: ¹ electrive.net, Neuer Spitzenwert: Mehr als jeder dritte Neuwagen ist ein Elektroauto (KBA-Daten); ² ACEA, New car registrations: +5.7% in H1 2026; battery-electric 20.7% market share; ³ EHI Retail Institute, Laden beim Handel: Shoppen und Strom tanken (mit UScale); ⁴ Baumarktmanager, EHI-Studie: Handel liefert verlässlichen Beitrag beim Ausbau der Ladeinfrastruktur; ⁵ Savills, Spotlight: European EV charging points
Wie lange laden Kunden während des Einkaufs?
Die Ladedauer hängt stark vom jeweiligen Format ab. Laut EHI laden im Lebensmittelhandel 77% der Kunden zwischen 30 und 60 Minuten. In Shopping-Centern bleiben die Kunden länger: Dort laden 45% ein bis zwei Stunden.
Bei einem durchschnittlichen Verbrauch von etwa 17 kWh pro 100 km ergibt sich daraus folgende Reichweite:
- Supermarkt, 30 bis 60 Minuten an 11 kW AC: rund 5 bis 11 kWh, ausreichend für 30 bis 65 km.
- Shopping-Center, 1 bis 2 Stunden an 11 kW AC: rund 11 bis 22 kWh, ausreichend für 65 bis 130 km.
- Kurzer Stopp, 15 bis 20 Minuten an 50 kW DC: rund 12 bis 16 kWh, ausreichend für 75 bis 100 km.
Für die meisten Alltagsfahrten ist das mehr als genug, sodass sich Laden und Einkaufen ideal miteinander verbinden lassen.
Quelle: CE-Markt, EHI-Studie: Elektromobilität im Handel steigert Kundenloyalität
AC oder DC: Wann ist welche Ladeleistung die richtige Wahl?
Eine Schnellladestation mag auf den ersten Blick die attraktivste Lösung sein, im Handel ist sie jedoch nicht immer die beste Wahl. Ein DC-Schnelllader lädt ein Fahrzeug in einer Viertelstunde, sodass der Fahrer womöglich weiterfährt, ohne Ihren Markt überhaupt zu betreten.
Laut einer EHI-Studie aus dem Jahr 2025 sind AC-Ladepunkte auf Handelsparkplätzen etwa die Hälfte der Zeit belegt. Bei DC-Ladern liegt die Auslastung bei 34%, bei HPC-Ladern bei rund 25%. Für die meisten Märkte bilden AC-Ladestationen daher die ideale Grundlage. Ergänzend können ein oder zwei DC-Ladestationen für Kunden installiert werden, die nur kurz vor Ort sind.
Format | Typischer Besuch | Passende Lösung |
|---|---|---|
Supermarkt oder Discounter | 30 bis 60 Min. | AC mit 11 bis 22 kW, ergänzt durch ein oder zwei DC-Ladestationen |
Baumarkt, Möbelhaus oder Gartencenter | 45 bis 90 Min. | AC mit 11 bis 22 kW |
Shopping-Center oder Fachmarktzentrum | 1 bis 3 Stunden | Überwiegend AC, ergänzt durch einige DC-Ladestationen für eilige Kunden |
Convenience-Store oder Drive-in | Unter 20 Min. | DC |
Quellen: Baumarktmanager, EHI-Studie: Handel liefert verlässlichen Beitrag beim Ausbau der Ladeinfrastruktur
Laden als Teil Ihrer Kundenbindung
Für die meisten Händler steht beim Laden nicht der Verkauf von Strom im Vordergrund. 77% der Händler mit Ladeinfrastruktur nennen die Kundenbindung als wichtigsten Grund für ihre Investition.
Diese Kundenbindung lässt sich darüber hinaus stärken, indem Sie das Laden mit Ihrer Kundenkarte verknüpfen. Bislang tun dies erst 5% der Händler, 43% planen es jedoch. Denkbar sind zum Beispiel die ersten 30 Minuten kostenloses Laden für Karteninhaber oder ein Kaffeegutschein pro Ladevorgang.
Zudem empfiehlt es sich, klare Regeln für die Nutzung Ihrer Ladestationen festzulegen. Eine maximale Ladedauer oder eine Blockiergebühr sorgt dafür, dass die Ladeplätze für den nächsten Kunden frei bleiben und nicht von Fahrzeugen belegt werden, die dort den ganzen Tag stehen.
Ladestationen innerhalb der verfügbaren Netzkapazität installieren
Die meisten Märkte wurden nicht für einen Parkplatz voller Ladestationen ausgelegt. Mithilfe von Lastmanagement kann die verfügbare Leistung auf das Gebäude und die Ladepunkte verteilt werden. So können mehr Kunden gleichzeitig laden, ohne die Grenzen Ihres Netzanschlusses zu überschreiten. Ein kostspieliger Ausbau des Anschlusses lässt sich dadurch häufig vermeiden.
Das wirkt sich auch auf Ihre Energiekosten aus. Als Kunde mit registrierender Leistungsmessung (RLM) zahlen Sie Netzentgelte zusätzlich auf Ihre höchste Leistungsspitze. Ungesteuertes Laden kann diese Spitze und damit auch Ihre Kosten deutlich erhöhen.
Verfügen Sie über eine Photovoltaikanlage auf dem Dach, können Sie den Solarstrom auch zum Laden der Fahrzeuge Ihrer Kunden nutzen. 36% der Händler mit Ladeinfrastruktur laden bereits mit selbst erzeugtem Strom.
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Welche gesetzlichen Pflichten gelten in Deutschland?
Nach § 10 GEIG muss jedes bestehende Nichtwohngebäude mit mehr als 20 Stellplätzen im oder am Gebäude seit dem 1. Januar 2025 über mindestens einen Ladepunkt verfügen. Mit der überarbeiteten europäischen Gebäuderichtlinie (EPBD) werden diese Anforderungen in den kommenden Jahren zudem weiter verschärft.
Quellen: Baumarktmanager, EHI-Studie: Handel liefert verlässlichen Beitrag beim Ausbau der Ladeinfrastruktur ;Bundesministerium der Justiz, § 10 GEIG: Bestehende Nichtwohngebäude
Rechnen sich Ladestationen im Handel?
Der Ertrag von Ladestationen setzt sich aus mehreren Bausteinen zusammen. Da sind zunächst die Erlöse aus dem Ladestrom selbst: 72% der Händler mit Ladeinfrastruktur lassen ihre Kunden für den Strom bezahlen, nur 7% bieten das Laden kostenlos an.¹ Darüber hinaus führt ein längerer Aufenthalt zu mehr Einkäufen, und Kunden, die Ihren Markt in ihre Laderoutine aufnehmen, kommen häufiger wieder.
Möchten Sie das Ladegeschäft nicht selbst betreiben, können Sie Flächen auf Ihrem Parkplatz auch an einen Ladepunktbetreiber (CPO) vermieten. Laut Savills liegen die Mieten typischerweise zwischen 1.000 € und 5.000 € pro Ladepunkt und Jahr, bei Vertragslaufzeiten von 20 bis 25 Jahren.² Eine weitere Möglichkeit besteht darin, Ihre Ladestationen öffentlich zugänglich zu machen und Bezahlung sowie Roaming an einen Dienstleister auszulagern.
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Sources : ¹ Baumarktmanager, EHI-Studie: Handel liefert verlässlichen Beitrag beim Ausbau der Ladeinfrastruktur; ² Savills, Spotlight: European EV charging points
Häufig gestellte Fragen
Bleiben Kunden länger im Markt, wenn es Ladestationen gibt?
Ja. Laut einer Befragung von EHI und UScale würden 59% der E-Auto-Fahrer bei einem Händler mit Lademöglichkeit vermutlich länger bleiben. Im Lebensmittelhandel laden Kunden meist 30 bis 60 Minuten, im Shopping-Center häufig ein bis zwei Stunden.
Welche Ladeleistung eignet sich am besten für einen Supermarkt?
Für die meisten Supermärkte ist AC-Laden mit 11 bis 22 kW die beste Wahl, da es gut zu einem Einkauf von 30 bis 60 Minuten passt. Halten viele Kunden nur kurz, lässt sich die Installation mit ein oder zwei DC-Ladestationen ergänzen.
Sollten Händler kostenloses Laden anbieten?
Das ist nicht notwendig. Die meisten Händler lassen ihre Kunden für den Strom bezahlen. Wer dennoch einen zusätzlichen Vorteil bieten möchte, kann beispielsweise die ersten 30 Minuten für Kundenkarteninhaber kostenlos anbieten.
Kann mein Netzanschluss zusätzliche Ladestationen verkraften?
In den meisten Fällen ja, sofern die Ladestationen intelligent gesteuert werden. Lastmanagement verteilt die verfügbare Leistung in Echtzeit auf das Gebäude und die Ladepunkte, sodass die Grenzen Ihres Netzanschlusses nie überschritten werden.
Sind Händler verpflichtet, Ladepunkte zu installieren?
Hat Ihr Gebäude mehr als 20 Stellplätze im oder am Gebäude, ist nach § 10 GEIG seit dem 1. Januar 2025 mindestens ein Ladepunkt Pflicht. Für Neubauten und größere Renovierungen gelten weitergehende Anforderungen.