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Was kostet ein elektrischer Dienstwagen wirklich?

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Sechs von zehn Neuwagen in der EU werden als Firmenwagen zugelassen. Die Entscheidung zwischen Elektroauto, Benziner und Diesel hat damit großen Einfluss auf die Elektrifizierung europäischer Unternehmensflotten. Für Unternehmen ist sie zugleich eine wichtige Kostenfrage. Doch oft steht dabei die falsche Zahl im Mittelpunkt.

Elektroautos haben meist einen höheren Listenpreis als vergleichbare Benzin- oder Dieselmodelle. Was ein Fahrzeug über seine gesamte Zeit in der Flotte kostet, lässt sich daraus allerdings kaum ableiten. Deshalb betrachten Flottenmanager die Total Cost of Ownership (TCO), also die Gesamtkosten von der Bestellung bis zum Ausscheiden aus der Flotte.

Quellen: Transport & Environment, Heavy, dirty, tardy: Company car electrification lagging behind private market for third year in a row

Das Wichtigste in Kürze

  • 2026 waren elektrische Dienstwagen der Kompaktklasse in 19 von 30 europäischen Ländern mindestens ebenso kostengünstig wie vergleichbare Benzin- oder Dieselmodelle.
  • Der Wertverlust macht den größten Anteil aus: rund 46 % der TCO eines Elektroautos gegenüber etwa 32 % bei einem Benziner.
  • Bei den Energiekosten liegt das Elektroauto vorn: Sie machen rund 12 % der TCO aus, bei einem Benziner dagegen etwa 26 %.
  • Wie groß der Kostenvorteil ausfällt, hängt vom Ladeort ab. In Deutschland kosteten 100 km im Jahr 2025 beim Laden zu Hause 5,86 Euro, am Schnelllader hingegen 10,12 Euro.
  • Die steuerlichen Regelungen unterscheiden sich je nach Land besonders stark. Manche Vergünstigungen werden schrittweise reduziert, etwa in Belgien für Fahrzeuge, die ab 2027 bestellt werden.

Quellen: Ayvens, Car Cost Index 2026; Elektroauto-News, Elektroautos tankten 2025 bis zu 56 Prozent günstiger als Verbrenner; BDO, Green mobility: what changes in terms of tax?

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Welche Kosten gehören zur TCO eines Dienstwagens?

Zur TCO gehören Wertverlust, Finanzierung, Strom beziehungsweise Kraftstoff, Wartung, Reifen, Versicherung und Steuern. Bei Leasingfahrzeugen sind die meisten dieser Posten bereits in der monatlichen Rate enthalten. Entscheidend ist, wie stark die einzelnen Kosten ins Gewicht fallen.

Der Car Cost Index von Ayvens gilt als Vergleichsmaßstab für das Flottenleasing. Er untersucht die Kosten in 30 europäischen Ländern und legt dafür eine Leasingdauer von vier Jahren sowie 30.000 km Fahrleistung pro Jahr zugrunde. In der Ausgabe 2026 gilt ein Elektroauto als wettbewerbsfähig, wenn seine TCO maximal 5 % über der eines vergleichbaren Benzin- oder Dieselmodells liegt. Nach dieser Definition waren Elektroautos in 19 von 30 Ländern in der Kompaktklasse wettbewerbsfähig, bei Kleinwagen in 17 und in der Mittelklasse in 16 Ländern.

Segment

Länder, in denen Elektro wettbewerbsfähig ist (2026)

Verglichene Länder

Kleinwagen

17

30

Kompaktklasse

19

30

Mittelklasse

16

30

Quellen: Ayvens, Car Cost Index 2026

In mehr als der Hälfte der untersuchten europäischen Länder können elektrische Dienstwagen bei den Gesamtkosten also bereits mit Verbrennern mithalten. Ob sich das im Einzelfall rechnet, hängt vor allem von drei Faktoren ab: Wertverlust, Besteuerung und Ladekosten.

Warum wiegt der Wertverlust bei Elektroautos schwerer?

Der Wertverlust ist bei Dienstwagen der größte Kostenfaktor. Bei Elektroautos fällt er besonders ins Gewicht: Im Ayvens-Index entfallen rund 46 % der TCO darauf, bei Benzinern etwa 32 %. Dahinter stehen sowohl der höhere Anschaffungspreis als auch die Unsicherheit über die Entwicklung der Gebrauchtwagenpreise.

Kostenblock

Elektroauto

Benziner

Wertverlust

ca. 46 %

ca. 32 %

Energie

ca. 12 %

ca. 26 %

Gebrauchte Elektroautos verlieren weiterhin schneller an Wert als vergleichbare Verbrenner. In Deutschland lag der Restwert eines drei Jahre alten Elektroautos mit 60.000 km im September 2025 im Durchschnitt bei 36,9 % des Listenpreises. Bei Benzinern waren es 50,1 %. Im Leasing ist dieses Risiko in der monatlichen Rate berücksichtigt. Wer ein Fahrzeug kauft, spürt den Wertverlust beim Wiederverkauf.

Ein Trend im Wandel

Der Unterschied könnte kleiner werden, wenn Käufer den Zustand der Batterie besser einschätzen können. Bislang ist das bei gebrauchten Elektroautos oft schwierig. In Belgien kann der verpflichtende Car-Pass beim Gebrauchtwagenverkauf seit 2026 auch den Batteriezustand ausweisen. Angegeben wird die verbleibende Kapazität in Prozent, ähnlich wie beim Smartphone.

Hinzu kommt, dass Batterien häufig länger halten als erwartet. Im Durchschnitt verlieren sie pro Jahr rund 1,8 % ihrer Kapazität. Ein Austausch wird meist erst nach 10 bis 15 Jahren notwendig. Verlässliche Angaben zum Batteriezustand könnten deshalb langfristig auch die Restwerte gebrauchter Elektroautos stärken.

Bei geleasten Dienstwagen wirkt sich das nur indirekt aus. Der Car-Pass betrifft zwar den Gebrauchtwagenverkauf, doch Leasingfahrzeuge werden nach Vertragsende meist ebenfalls gebraucht verkauft. Ihr erwarteter Restwert fließt bereits in die Leasingrate ein.

Quellen: Ayvens, Car Cost Index 2026; Autovista24, Monthly Market Update: BEV residual values continue to drag in September; Car-Pass, The SOH of the battery of a preowned electrical vehicle will appear on the Car-Pass

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Wo wird die TCO gewonnen oder verloren?

Bei den Energiekosten können Elektroautos einen Teil ihres höheren Wertverlusts ausgleichen. Laut Ayvens entfallen bei ihnen rund 12 % der TCO auf Energie, bei Benzinern dagegen 26 %. Das ICCT berechnete für 2025, dass elektrisches Fahren in der EU 33 % günstiger war als Fahren mit Benzin. Mit den steigenden Kraftstoffpreisen im Jahr 2026 wurde der Abstand noch größer.

Wie viel davon im Alltag übrig bleibt, hängt jedoch stark vom Ladeort ab. In Deutschland kosteten 100 km im Jahr 2025 beim Laden zu Hause 5,86 Euro, an einer öffentlichen AC-Ladestation 8,77 Euro und am Schnelllader 10,12 Euro. Für Diesel lagen die Kosten bei 8,38 Euro. Wer überwiegend schnelllädt, verliert damit möglicherweise einen Großteil des Kostenvorteils.

Energiequelle (Deutschland, 2025)

Kosten pro 100 km

Elektro, Laden zu Hause

5,86 Euro

Elektro, öffentliche AC-Ladestation

8,77 Euro

Elektro, Schnelllader

10,12 Euro

Diesel

8,38 Euro

Benzin

13,34 Euro

Quellen: Ayvens, Car Cost Index 2026; ICCT, Electric cars are 33% cheaper to drive than gasoline cars; Elektroauto-News, Elektroautos tankten 2025 bis zu 56 Prozent günstiger als Verbrenner

TCO-Berechnungen setzen meist voraus, dass überwiegend zu Hause oder am Arbeitsplatz geladen wird. Ayvens kalkuliert beispielsweise mit 70 % Heimladen, 20 % Laden am Arbeitsplatz und 10 % an öffentlichen Ladepunkten. Je näher das tatsächliche Ladeverhalten dieser Verteilung kommt, desto eher stimmen die realen Kosten mit der Prognose überein. Am Unternehmensstandort kann der Arbeitgeber den Strompreis besonders gut beeinflussen. Im zweiten Halbjahr 2025 zahlten gewerbliche Stromkunden in der EU durchschnittlich rund 0,18 Euro pro kWh.

Quellen: Ayvens, Car Cost Index 2026; Eurostat, Non-household electricity prices in 2nd half of 2025: -3.5%

Beim Laden zu Hause stellt sich zudem die Frage, wie der für den Dienstwagen verbrauchte Strom korrekt erstattet wird und welcher Tarif dafür gilt.

Mehr zur Erstattung von Ladekosten für Dienstwagen

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Welche Rolle spielt der Zeitpunkt des Ladens?

Nicht nur der Ladeort, auch die Uhrzeit beeinflusst die Kosten. Nachts und an sonnigen Nachmittagen ist Strom häufig günstiger als während der Abendspitze. Laut der europäischen Energieregulierungsbehörde ACER können Haushalte mit einem dynamischen Stromtarif bis zu 270 Euro jährlich sparen. Für Elektroautofahrer kann die Ersparnis noch höher ausfallen, weil sich ein großer Teil des Stromverbrauchs zeitlich verschieben lässt.

Am Unternehmensstandort wirkt sich der Ladezeitpunkt außerdem auf die Auslastung des Netzanschlusses aus. Werden morgens viele Dienstwagen gleichzeitig angeschlossen, kann die Lastspitze die verfügbare Anschlussleistung übersteigen. Ein Ausbau des Netzanschlusses kann teuer werden. Wer die Ladevorgänge über den Tag verteilt, kann solche Spitzen begrenzen.

Quellen: ACER, How electricity contract choices can unlock consumer flexibility and lower bills

Warum verändern Steuern das Bild von Land zu Land?

Die Besteuerung unterscheidet sich von Land zu Land besonders stark und kann die TCO maßgeblich beeinflussen. Zwar begünstigen die meisten europäischen Länder elektrische Dienstwagen, doch die Regelungen fallen unterschiedlich aus.

Land

Wichtigster Steuervorteil für elektrische Dienstwagen (2026)

Belgien

Emissionsfreie Fahrzeuge, die bis Ende 2026 bestellt werden, sind zu 100 % von der Körperschaftsteuer abziehbar; fossile Fahrzeuge, die ab 2026 bestellt werden, sind nicht mehr abziehbar¹

Niederlande

Geldwerter Vorteil von 18 % auf die ersten 30.000 Euro des Listenpreises, 22 % darüber²

Deutschland

Versteuerung der Privatnutzung mit 0,25 % des Listenpreises pro Monat bis 100.000 Euro, Befreiung von der Kfz-Steuer und 75 % Sonderabschreibung im ersten Jahr für gewerbliche Elektrofahrzeuge³

Frankreich

70 % Abschlag auf den geldwerten Vorteil für förderfähige Elektroautos (mit Obergrenze) und Befreiung von den jährlichen Steuern auf Firmenfahrzeuge⁴

Sources : 1BDO, Green mobility: what changes in terms of tax?; 2Belastingdienst, Bijtelling privégebruik auto 2026; 3Rödl & Partner, Gesetz für ein steuerliches Investitionssofortprogramm zur Stärkung des Wirtschaftsstandorts Deutschland; 3Bundesregierung, E-Autos bleiben bis maximal 2035 von Kfz-Steuer befreit; 4Village de la Justice, Avantage en nature véhicule électrique 2026;  4economie.gouv.fr, Entreprises : ce qu’il faut savoir sur les taxes sur l’affectation des véhicules à des fins économiques

Auch diese Regelungen ändern sich. Ein Beispiel ist Belgien:

  • Für vollelektrische Dienstwagen, die ab dem 1. Januar 2027 gekauft oder geleast werden, sinkt die steuerliche Abzugsfähigkeit von 100 % auf 95 %. Im Jahr 2028 beträgt sie 90 %, 2029 noch 82,5 %.
  • Wurde der Bestellschein oder Leasingvertrag vor dem 31. Dezember 2026 unterschrieben, bleibt die Abzugsfähigkeit bei 100 %, selbst wenn das Fahrzeug erst 2027 geliefert wird.

Im Dezember 2025 legte die Europäische Kommission außerdem einen Verordnungsvorschlag für saubere Firmenfahrzeuge vor. Er sieht Zielvorgaben für den Anteil emissionsfreier und emissionsarmer Firmenwagen vor. Ab 2028 sollen nationale Förderungen für Firmenwagen entfallen, die keine dieser Anforderungen erfüllen. Über den Vorschlag wird noch verhandelt.

Quellen: Securex, Order your tax-benefit electric vehicles before 1 January 2027; Transport & Environment, EU Regulation on Clean Corporate Vehicles

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Was macht in der Praxis den Unterschied?

Fahrzeugmodell und nationale Steuervorschriften bestimmen einen großen Teil der TCO bereits bei der Bestellung. Die Energiekosten bleiben dagegen während der gesamten Nutzungsdauer beeinflussbar. Hier können Unternehmen Tag für Tag ansetzen.

Die Ladestrategie sollte deshalb genauso sorgfältig geplant werden wie die Dienstwagenregelung. Wer möglichst zu Hause oder am Arbeitsplatz statt am Schnelllader lädt, günstige Stromstunden nutzt und Lastspitzen am Unternehmensstandort vermeidet, kann die tatsächlichen Kosten näher an die TCO-Kalkulation bringen. Da Elektroautos inzwischen in mehr als der Hälfte der untersuchten Länder wettbewerbsfähig sind, wird die Art des Ladens zunehmend entscheidend für die Höhe des Kostenvorteils.

Häufige Fragen

Ist ein elektrischer Dienstwagen günstiger als ein Benziner?

In immer mehr europäischen Ländern können sie bei den Gesamtkosten mithalten. 2026 lag die TCO elektrischer Kompaktwagen in 19 von 30 Ländern höchstens 5 % über der vergleichbarer Verbrenner oder sogar darunter. Entscheidend sind die nationalen Steuern, der Restwert und das Ladeverhalten.

Warum verlieren Elektroautos schneller an Wert?

Beides spielt eine Rolle: der höhere Anschaffungspreis und die Unsicherheit auf dem Gebrauchtwagenmarkt. In Deutschland erzielte ein drei Jahre altes Elektroauto 2025 noch rund 37 % seines Listenpreises, ein Benziner etwa 50 %.

Wie stark beeinflusst der Ladeort die Kosten eines elektrischen Dienstwagens?

Der Unterschied kann erheblich sein. In Deutschland kosteten 100 km im Jahr 2025 beim Laden zu Hause weniger als 6 Euro, am Schnelllader dagegen rund 10 Euro und damit mehr als mit Diesel. Wer überwiegend zu Hause und am Arbeitsplatz lädt, kann den Energiekostenvorteil besser nutzen.

Ändern sich die Steuerregeln für elektrische Dienstwagen?

Ja. Einige Länder reduzieren ihre Vergünstigungen schrittweise, darunter Belgien für ab 2027 bestellte Fahrzeuge. Auf EU-Ebene liegt zudem ein Verordnungsvorschlag vor, der Ziele für saubere Firmenwagen vorsieht und ab 2028 Vorteile für fossile Firmenwagen beenden würde.